OFFTANZTIROL - FAKE drunken WARRIOR 
FAKE drunken WARRIOR

Sa 08.12.2018 20:00 Uhr
RedSapata Tanzfabrik - Linz - Ludlgasse 19

Eintritt: freiwillige Spenden

Ausgangspunkt des Solos ist die filmische Darstellung, in Wuxia- und Kampfkünste-Filmen, des Stils "drunken". In der chinesischen Kampfkünste-Tradition imitieren verschiedene Stile das Verhalten eines betrunkenen Menschen (oder eines betrunkenen Affen), wobei sich der/die HeldIn in der filmischen Fiktion meistens ganz konkret betrinkt, um dann (oder währenddessen) mit schwankenden Bewegungen und erstaunlicher Effizienz zu kämpfen.

In den Filmen wird der "drunken" Stil oft in Verbindung mit AußenseiterInnen-Figuren gesetzt, mit dem Bruch gesellschaftlicher Regeln sowie manchmal mit der Rebellion gegen die eigene gesellschaftliche Position/Pflicht.

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Die HeldInnen kommen meistens in einer kritischen Phase ihres Leben in Kontakt mit dem drunken Stil, nachdem sie einen harten Schlag des Schicksals und die Möglichkeit des sda totalen Scheiterns erlebt haben. Der Stil wird Ihnen oft von einem alten Meister präsentiert und weitergegeben, der wie ein Bettler aussieht und mehr oder weniger alkoholsüchtig ist. Der Stil, der die die Grenzen zwischen Kontrolle und Rausch, Vernunft und Wahnsinn in Frage stellt, wird hier als Überrest einer uralten Tradition präsentiert.

Extremes Abenteuer und tödliches Risiko definieren stark das Wuxia-Genre, sowie die Sehnsucht nach übermenschlichen Kräften. Die ProtagonistInnen schaffen ungewöhnlich heldenhafte Taten, auch in den komödiantischen Variationen des Genres. Welche Rolle kann in diesem Kontext der Alkohol spielen? Verkörpert der/die betrunkene HeldIn eine historische (viele Wuxia-Filme spielen z.B. in einer post-mittelalterlichen Zeit) oder gegenwärtige Krise des Heldentums, sein Obsolet-Werden?

Die Rhetorik über das kriegerische Heldentum genießt unterschiedliche Reputation, je nach historischer Epoche und geografischer Lage. Sie kann unglaubwürdig werden und sogar fast verschwinden, erscheint aber immer wieder in veränderter Form und in Bezug auf neue Konflikte. Die schattenreiche Figur des/der "drunken" KriegerIn wird im Stück Metapher für diese schwankende Dynamik des Heldenhaften.

Im Stück inszeniere ich mich nicht als Experten der Kampfkünste, sondern als "fake fighter", jemanden der in seiner tänzerischen Neugier mit Bambus Stöcken aller Dimensionen gespielt und trainiert hat, bis er so etwas wie eine eigene Kampfkunst aufgebaut hat, ohne Ambition, dass sie in einem hypothetischen "Kampf" effektiv wäre. Übrigens: auch in den filmischen Kampfkunst-Choreografien spielen Effektivität und realistische Kampf-Darstellung meistens eine marginale Rolle (in diesem Sinne auch "fake"): es stehen vielmehr spektakuläre, dramatische und symbolische Aspekte in Vordergrund.

Inszenierung / Choreografie / Tanz:

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